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Titel des Dokuments: Zeitzeugengespräch mit Holocaust-Überlebenden
 

Modul 3: Zeitzeugengespräche mit Holocaust-Überlebenden (Vortrag, Dauer: 90 Minuten)

Mit Eva Franz, Klara Gorlatschowa, Siegfried Heilig und Fritz Pilz können in Bayern noch Holocaust-Überlebende von ihren Erfahrungen durch die nationalsozialistischen Verfolgungen berichten. Diplom-Sozialwirtin (Univ.) Birgit Mair begleitet seit 2005 Holocaust-Überlebende an Schulen und hat hunderte Zeitzeugengespräche durchgeführt. Sie moderiert die Veranstaltung, bettet die Erzählungen der Zeitzeugen in den historischen Kontext ein und präsentiert Bilder und Dokumente aus deren Leben. Im Anschluss besteht Gelegenheit für Fragen aus dem Publikum.

Eva Franz: Als Kind war sie Nummer 4167 im "Zigeunerlager" Auschwitz-Birkenau


Eva mit ihrer Mutter kurz vor der Deportation nach Auschwitz-Birkenau (Foto: Privatarchiv Eva Franz)

Eva Franz wurde 1940 in Gablonz an der Neiße geboren. Als sie zweieinhalb Jahre alt war, wurde sie gemeinsam mit ihrer Familie in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort wurde ihr die Häftlingsnummer 4167 in den linken Unterarm eintätowiert. Frau Franz trägt die Nummer bis heute. Ihre Schwester kam in Auschwitz ums Leben. Gegen Kriegsende wurde Eva in das Frauen KZ Ravensbrück und in das KZ Bergen-Belsen deportiert. Die Mutter starb noch vor der Befreiung.

Klara Gorlatschowa: Sie überlebte als jüdisches Kind den Holocaust in der Sowjetunion

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Klara kurz vor dem Angriff der Deutschen auf die Sowjetunion(Foto: Privatarchiv Klara Gorlatschowa)

Klara Gorlatschowa (geb. Schwarz), wurde 1938 als Kind einer jüdischen Familie in Trostjanez in der Sowjetunion geboren. Nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht wurde sie mit ihren Eltern in ein Todeslager in Petschora (heute Pechera, Winnyzja, Ukraine) deportiert. Als Kind wurde sie für medizinische Experimente missbraucht. Der Vater wurde bei dem Versuch, Nahrungsmittel zu organisieren, vor den Augen der Mutter ermordet. Ihre Großmutter starb ebenfalls in dem Lager, das "Todesschlinge" genannt wurde. Mutter und Tochter gelang die Flucht über den zwei Meter hohen Zaun in die Wälder. Bis zur Befreiung durch die Rote Armee 1944 waren sie im Ghetto-Dorf Werchowka interniert. Frau Gorlataschowa lebt seit 1997 als "Kontingentflüchtling" in Mittelfranken. Die Erzählungen der Zeitzeugin werden von einer Dolmetscherin übersetzt.

Siegfried Heilig: Er überlebte als Jugendlicher im Versteck

=""Die Schaustellerfamilie Heilig kurz vor Kriegsbeginn, links im Bild Siegfried Heilig (Foto: Privatarchiv Siegfried Heilig)

Siegfried Heilig (geb. 1934) wuchs in Magdeburg auf. Am 1. März 1943 sollten alle Sinti und Roma aus Magdeburg in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert werden. Dank der Courage der Großmutter entging die Familie nur knapp der Gestapo. Es gelang der Familie Heilig bis zur Befreiung unbemerkt an verschiedenen Orten Brandenburgs zu überleben. Vater, Mutter, Siegfried und seine beiden Brüder konnten mit Hilfe anderer ihre Identität verbergen und blieben unbemerkt. Die mutige Oma wurde im September 1943 in Auschwitz-Birkenau ermordet. Auch Michael Heilig, der Onkel des Zeitzeugen, kam in Auschwitz um.

Fritz Pilz: Er wurde verfolgt, weil er als "Halbjude" galt

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Fritz Pilz bei der Einschulung 1935 (Foto: Privatarchiv Fritz Pilz)

Fritz Pilz, geboren 1928 in Pethau bei Zittau (Sachsen), galt nach den rassistischen "Nürnberger Gesetzen" als „Halbjude“ und musste Zwangsarbeit im Gestapo-Straflager Miltitz verrichten. Seine jüdische Mutter wurde im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet.

Ablauf eines Zeitzeugengesprächs

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Siegfried Heilig und Birgit Mair beim Zeitzeugengespräch im Jahr 2016 in Neumarkt in der Oberpfalz (Foto: Daniela Meyer Fotografie)

Zeitbedarf: 90 Minuten
Teilnehmerzahl: 15 bis 300
Zielgruppe:Geeignet für Jugendliche ab 14 Jahren aller Schultypen sowie für Erwachsene

Ablauf:
1. Inhaltliche Einführung (Birgit Mair) 15 Minuten
2. Zeitzeugenbericht: 45 Minuten
3. Rückfragen aus dem Publikum 25 Minuten
4. Verabschiedung: 5 Minuten

Birgit Mair moderiert das Zeitzeugengespräch, bettet die Erzählungen der Zeitzeugen in den historischen Kontext ein und präsentiert Bilder und Dokumente der Familien aus der Vor- und Nachkriegszeit. Die Zeitzeugen werden von Birgit Mair abgeholt, nach der Veranstaltung betreut und nach Hause gebracht.

Vorbereitung durch die Schule

- Tisch + 2 Stühle - 2 Gläser + Wasser - Beamer, zwei Mikrophone, Lautsprecher - Möglichkeit, einen Filmausschnitt abzuspielen (Ton)

Ein Laptop und die ppp-Präsentation auf USB-Stick werden mitgebracht.

Preis pro Zeitzeugengespräch:

Je nach Entfernung von Nürnberg 350-500 Euro (Gesamtkosten inkl. Dolmetscherkosten) zzgl. Reisekosten.

Beachten Sie das Angebot zur Durchführung von Zeitzeugengesprächen in Bayern unseres Kooperationspartners Georg-von-Vollmar-Akademie

Unsere bisherige Zeitzeugenarbeit

Birgit Mair analysierte in den Jahren 1998 bis 2000 in ihrer mit 1,0 bewerteten Diplomarbeit das Überleben des jüdischen Oberschlesiers Josef Jakubowicz in nationalsozialistischen Konzentrationslagern sowie seine Identitätsentwicklung. Mit folgenden Holocaust-Überlebenden hat Birgit Mair Zeitzeugengespräche durchgeführt:

2005-2013: Josef Jakubowicz (geb. 10.10.1925 Oswiecim, gest. 2013 Neumarkt/Oberpfalz)
2006-2012: Franz Rosenach (geb. 29. September 1927 Horatitz, gest. 7.10.2012 Nürnberg)
2009: Eva Rößner (geb. 1926 Nürnberg)
2010: Hans Rosenfeld (geb. 6. Mai 1926 Schopfloch, gest. 9. Januar 2015 New York City)
2010: Dr. Jakob Rosenthal (geb. 11. Juni 1922 Nürnberg, gest. Februar 2012 Jerusalem)
2011: Hugo Höllenreiner (geb. 15.9.1933 München, gest. 10.6.2015 Ingolstadt)
2012 bis heute: Siegfried Heilig (geb. 1934 Magdeburg)
2013 bis heute: Eva Franz (geb. 1940 Gablonz an der Neiße)
2016: Henry Rotmensch (geb. 10.4.1925 Bendsburg)
2018 bis heute: Klara Gorlatschowa (geb. 1938 Trostjanez in der Sowjetunion)
2019 bis heute: Fritz Pilz (geb. 1928 in Pethau bei Zittau)