Institut für sozialwissenschaftliche
Forschung, Bildung und Beratung e.V. (ISFBB)
 
 
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Modul 3: Präsenz- oder Online-Zeitzeugengespräche mit Holocaust-Überlebenden (Dauer: 90 bis 120 Minuten)

Mit Eva Franz, Ernst Grube, Eva Weyl, Horst Bernard, Mina Gampel und Roman Haller können noch Shoa-Überlebende von ihren Verfolgungen durch die Nationalsozialisten berichten. Das Projekt wird von Birgit Mair geleitet, die seit 2005 mehr als fünfhundert Zeitzeugengespräche mit Holocaust-Überlebenden durchgeführt hat. Sie führt durch die Veranstaltung, bettet die Erzählungen der Zeitzeugen in den historischen Kontext ein und präsentiert Bilder, Dokumente und ggfs. auch Filmausschnitte aus deren Leben. Im Anschluss an die Veranstaltung kümmert sie sich um die Betreuung der Zeitzeugen.

Technische Voraussetzungen und Ablauf

1. Technik und Vorbereitung
Bitte teilen Sie uns mit, mit welchem technischen System Sie die Veranstaltung durchführen möchten. Wir können Ihr System nutzen oder selbst einen Link generieren. Für uns am besten geeignet ist Zoom. Wir haben eine Zoom-Lizenz erworben, mit der 100 Menschen an der Veranstaltung teilnehmen können. Wir haben Erfahrungen mit zoom, cisco-webex, jitsi, big blue button, Teams. Für neue Systeme sind wir offen. Die besten Erfahrungen haben wir bisher mit zoom gemacht. Einige Tage vor der Veranstaltung vereinbaren wir einen Termin für einen Technik-Check. Es können mehrere Klassen gleichzeitig an der Veranstaltung teilnehmen. Wir beraten Sie bei der technischen Umsetzung. Mit unserer Technik ist es möglich, dass sich das Publikum und die Referent*innen nicht nur sehen, sondern auch hören können. Das Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern ist unseren Zeitzeuginnen und Zeiteugen sehr wichtig.

2. Ablauf der Veranstaltung:
a) Input durch Birgit Mair
b) Bericht der Holocaust-Überlebenden
c) Fragen aus dem Publikum
d) Verabschiedung

Kosten:
Pauschalpreis: 600,00 Euro (inkl. Honorare für Zeitzeugen und Moderation, Beratung bei der Technik, Technikcheck, Entwickeln eines maßgeschneiderten Konzepts) Für Schulen können wir Sonderpreise anbieten. Veranstaltungen können auf Anfrage in Kooperation mit der Georg-von-Vollmar-Akademie durchgeführt werden (2 Euro pro Teilnehmer).

Kontakt

Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB) e.V.
Rennweg 60 90489 Nürnberg
Germany

Telefon: +49 (0) 911 / 54 055 934
Mobil: 0176 / 62 94 31 52
Ansprechpartnerin: Birgit Mair (Diplom-Sozialwirtin Univ.),

E-Mail: info(ät)isfbb.de

Kurzbiographien der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen

Eva Franz

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Eva Franz beim Zeitzeugengespräch an einer Schule im unterfränkischen Kitzingen im Jahr 2016 (Foto: Birgit Mair)
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Eva Franz mit ihren Eltern. Ihre Mutter wurde von den Nationalsozialisten ermordet (Foto: Privatbesitz Eva Franz, Reproduktion ISFBB e.V.)
Eva Franz (geb. Christ) wurde 1940 in Gablonz an der Neiße geboren. Ihre Familie väterlicherseits kommt aus Fulda. Als sie zweieinhalb Jahre alt war, wurde sie gemeinsam mit ihrer Familie in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort wurde ihr die Häftlingsnummer 4167 in den linken Unterarm eintätowiert. Frau Franz trägt die Nummer bis heute. Ihre Schwester kam in Auschwitz ums Leben, ebenso die Großeltern mütterlicherseits sowie ihre Mutter, die vor der Befreiung starb. Gegen Kriegsende wurde Eva in das Frauen KZ Ravensbrück, das KZ Mauthausen und das KZ Bergen-Belsen deportiert. In letzter Minute fand ihr Vater, der in der Naziideologie eine "arische" Mutter hatte, sein Kind und brachte es zur Großmutter nach Fulda. Eva sollte von Belsen aus zur Adoption ins Ausland verbracht werden.

Seit 2013 hat Birgit Mair mehr als einhundert Veranstaltungen mit Frau Franz durchgeführt. Neben zahlreichen Dokumenten, die uns die Zeitzeugin anvertraut hat, ist es uns gelungen, eine Kopie des Stammbaums zu erhalten, den die Nationalsozialisten von der Familie Christ erstellt hatten. Mehr als vierhundert Namen hatten die rassistischen Bürokraten bis ins 1812 ausgekundschaftet.

Ernst Grube

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Ernst Grube 2022 in Ingolstadt (Foto: Birgit Mair)

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Ernst und Werner Grube im Tierpark Hellabrunn in München 1941. Ihr couragierter Vater besuchte mit seiner Familie den Zoo, ohne den "Judenstern" zu tragen (Foto: Privatbesitz Ernst Grube)

Ernst Grube wurde 1932 in München geboren. Seine Mutter war jüdisch, sein Vater evangelisch. Nach der Zerstörung der Münchner Hauptsynagoge im Juni 1938 wurden die unmittelbar angrenzenden Gebäude der israelitischen Kultusgemeinde in der Herzog-Max Straße "arisiert", d.h. geraubt. Die Grube-Familie wurde aus ihrer dortigen Mietwohnung vertrieben. In ihrer Not brachten die Eltern Ernst und seine beiden Geschwister zwei Tage vor dem Novemberpogrom 1938 in ein jüdisches Kinderheim. Fast alle der dort untergebrachten Kinder wurden später von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet. Ernst und seine beiden Geschwister mussten ab Frühjahr 1942 in das „Judenlager Milbertshofen", später in ein weiteres Lager in Berg am Laim bis April 1943. Drei Monate vor Kriegsende wurden die Grube-Kinder und ihre Mutter in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie bis zur Befreiung am 8. Mai 1945 inhaftiert waren.

Bis heute kämpft Ernst Grube aktiv gegen Rassismus, Antisemitismus und Neonazismus. Für sein Engagement wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Georg-Elser-Preis der Landeshauptstadt München. Ernst Grube ist Präsident der Lagergemeinschaft Dachau e.V. und Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Bayerische Gedenkstätten.

Horst Bernard

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Horst Bernard in seiner Wohnung in Saarbrücken (Foto: Birgit Mair, April 2021)

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Horst Bernard als Kleinkind (Foto: Privatarchiv Horst Bernard)
Horst Bernard wurde 1932 in Bischmisheim bei Saarbrücken als Kind eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen Mutter geboren. Die Eltern waren im saarländischen Widerstand gegen die Nationalsozialisten aktiv. Nachdem das Saarland 1935 nationalsozialistisch wurde, floh der Vater ins Exil nach Frankreich. Die Mutter wurde von den Nazis unter Druck gesetzt, ihren Ehemann zurückzuholen. Mit ihren zwei kleinen Kindern machte sie sich auf den Weg nach Luchon in den mehr als eintausend Kilometer von Saarbrücken entfernten Pyrenäen, wo die französischen Behörden den Vater hingeschickt hatten. Ab August 1935 lebte die Familie in Agen, wo sie Hilfe von anderen erhalten hatte und selbst anderen Flüchtlingen half. Das 1940 auf französischem Boden geborene Brüderchen änderte den Rechtsstatus der Familie zu ihren Gunsten. Nachdem der südliche Teil Frankreichs im November 1942 besetzt worden war, musste der Vater in die Illegalität untertauchen. 1944 wurde die Mutter von der Militärverwaltung verhört, die Gestapo durchsuchte ihre Wohnung. Nun musste auch sie mit den zwei kleinen Kindern untertauchen. Ihr ältester Sohn Horst wurde bei einem alten Ehepaar untergebracht, das mit der französischen Widerstandsbewegung Resistance sympathisiert hatte. Besonders belastend für den Jungen, der in Agen ein Gymnasium besuchte, war folgende Situation: Einmal in der Woche ging er zu einem bestimmten Zeitpunkt in Agen auf einem Boulevard auf und ab, um seinen Vater zu sehen. Sie gingen auf unterschiedlichen Straßenseiten und nickten sich zu. Sie durften nicht miteinander sprechen, damit Horst nicht in Verbindung mit seinem jüdischen Vater gebracht wird. Im Alter von zwölf Jahren entging Horst Bernard knapp dem Tode. Er konnte fliehen, als die SS auf der Beerdigung eines bekannten Widerstandskämpfers der Resistance-Gruppe "Libération" auf dem Friedhof in Fengarolles um sich geschossen und zahlreiche Menschen verhaftet hatte.

Horst Bernard lebt heute wieder im Saarland. Er spricht deutsch und französisch und engagierte sich auch in der Nachkriegszeit gegen Alt- und Neonazis, verfasste mehrere Bücher und traf zahlreiche andere KZ-Überlebende. Birgit Mair besuchte den 88-Jährigen im April 2021 in Saarbrücken, filmte Teile seiner Lebensgeschichte.

Eva Weyl


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Eva Weyl als Kind mit ihrer Puppe
(Foto: Privatbesitz Eva Weyl)
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Eva Weyl im April 2022 im Keukenhof in den Niederlanden (Foto: Birgit Mair)

Eva Weyl wurde 1935 im niederländischen Arnheim geboren und kommt aus einer jüdischen Familie. Ihr Großvater hatte das im Zentrum der nordrhein-westfälischen Stadt Kleve gelegene Kaufhaus Weyl geführt. Der Vater war ebenfalls in der Kaufhausbranche tätig und hatte diesbezüglich in Aachen, Berlin und Köln Erfahrungen gesammelt, unter anderem bei Tietz. Ende 1934 zogen die Eltern aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach Arnheim, wo sie noch einige Jahre ein Damentextilgeschäft führen konnten. Die beiden bereits verwitweten Großväter zogen nach der Pogromnacht 1938 ebenfalls zu Eva Weyls Familie ins Nachbarland.

Nach der Besetzung durch die deutsche Wehrmacht im Mai 1940 wurde in Westerbork ein bereits existierendes Flüchtlingslager in ein KZ-Durchgangslager für Jüdinnen und Juden umfunktioniert. In dieses Lager wurde Eva mit ihren Eltern Ende Januar 1942 deportiert. Elf Monate später lieferte man beiden Großväter dort ein. Diese wurden im Folgejahr nach Theresienstadt geschickt und überlebten. Mehr als neunzig Eisenbahntransporte mit Jüdinnen und Juden sowie Sinti und Roma gingen von Westerbork aus nach Theresienstadt und Bergen-Belsen sowie in die Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und Sobibor. Von den 107.000 Frauen, Männern und Kindern, die von Westerbork aus deportiert wurden, überlebten nur etwa fünftausend. Eva Weyl und ihre Eltern entgingen mit viel Glück der Vernichtung. Detailliert beschreibt die Zeitzeugin die perfide Scheinwelt des Lagers. Mit Lügen und Beschwichtigungsmethoden versuchte die Lagerleitung, die zu Tode Geweihten in Sicherheit zu wiegen, um Widerstand zu verhindern.

Frau Weyl kommt aus einer deutschen Familie. Dennoch galt sie bis zum Jahr 1950 als staatenlos. Die Niederländerin spricht holländisch und deutsch. Die Familie der Mutter stammt aus Freiburg im Breisgau, die des Vaters aus Kleve. Frau Weyl tritt unter anderem mit der Enkeltochter des ehemaligen KZ-Lagerkommandanten von Westerbork auf. Wie viele andere Holocaust-Überlebende ist auch sie der Meinung, dass die junge Generation keine Schuld für die Verbrechen ihrer Vorfahren hat, jedoch die Verantwortung hat, die Vergangenheit zu kennen, um so an einer besseren Zukunft zu arbeiten.

Roman Haller – Er überlebte als jüdisches Baby in einem Wald in der heutigen Ukraine


Roman Haller 2023 in München (Foto: Birgit Mair)

Roman Haller kennt seinen genauen Geburtstag nicht. Irgendwann zwischen 7. und 10. Mai 1944 wurde er in einem Waldstück in der von den Deutschen besetzten Sowjetunion (heute Ukraine) geboren. Der genaue Ort ist ihm nicht bekannt.

Seine Eltern, Ida und Lazar Haller, konnten mit Hilfe anderer aus einem Ghetto und Zwangsarbeiterlager entkommen und sich mit einer Gruppe weiterer Jüdinnen und Juden in einem Bunker im Wald verstecken. Ohne die Hilfe des Wehrmachtsmajors Eduard Rügemer und seiner polnischen Geliebten Irena Gut hätten sie vermutlich nicht überlebt. Rügemer und Gut versorgten Roman Hallers Eltern unter anderem mit Lebensmitteln. Es stand zur Debatte, Roman Haller nach der Geburt erdrosseln zu müssen, da er eine große Gefahr darstellte: Ein schreiendes Baby hätte die gesamte zwölfköpfige Gruppe verraten können. Dass er heute zu uns sprechen kann, gleicht einem kleinen Wunder.

Nach der Befreiung durch die Rote Armee lebte die Familie im DP-Lager München-Freimann. Ziel war die Auswanderung in die USA. Letztendlich blieben sie aber in München, wo Roman Haller aufwuchs und noch heute lebt. Sein Retter, Eduard Rügemer, ein gebürtiger Nürnberger, wurde für ihn für einige Jahre zu einem Ersatzopa. Mit seiner Retterin Irena Gut war der Überlebende ebenfalls in Kontakt.

Roman Haller machte sich nach dem Krieg selbstständig und engagierte sich ehrenamtlich. Mehr als fünfzehn Jahre lang war er Direktor der Claims-Conference-Nachfolgeorganisation mit Büro in Frankfurt. Er verfasste Bücher zur Nachkriegsgeschichte der Juden in Deutschland (u.a. „Davidstern und Lederhose“, „… und bleiben wollte keiner“) und ist Träger des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Das Theaterstück „Irena’s Vow“ behandelt Roman Hallers Überlebensgeschichte und wurde 2009 auf dem Broadway aufgeführt.

Roman Haller steht für Vorträge mit anschließender Fragerunde sowohl in Präsenz (im Raum Bayern) als auch online (bundesweit) für Zeitzeugengespräche zur Verfügung.

 
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