Institut für sozialwissenschaftliche
Forschung, Bildung und Beratung e.V. (ISFBB)
 
 
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Modul 3: Online-Zeitzeugengespräche mit Holocaust-Überlebenden (Dauer: 90 bis 120 Minuten)


Die Holocaust-Überlebende Eva Franz zeigt auf ein Foto, auf dem sie mit ihren Eltern zu sehen ist (Foto: Birgit Mair)

Wegen der Corona-Virus-Pandemie ist es derzeit unmöglich, Face-to-Face-Zeitzeugengespräche mit Holocaust-Überlebenden in großen Gruppen durchzuführen. Dies gilt insbesondere deshalb, weil die Überlebenden alle über 80 Jahre alt sind und damit zur Risikogruppe gehören. Seit September 2020 bieten wir das Format "Online-Zeitzeugengespräche mit Holocaust-Überlebenden" an.

Mit Eva Franz, Ernst Grube, Eva Weyl, Horst Bernard und Esther Bejarano können noch Shoa-Überlebende von ihren Verfolgungen durch die Nationalsozialisten berichten. Das Projekt wird Birgit Mair geleitet, die seit 2005 mehr als dreihundert Zeitzeugengespräche mit Holocaust-Überlebenden durchgeführt hat. Sie führt durch die Veranstaltung, bettet die Erzählungen der Zeitzeugen in den historischen Kontext ein und präsentiert Bilder, Dokumente und ggfs. auch Filmausschnitte aus deren Leben. Im Anschluss an die Veranstaltung kümmert sie sich um die Betreuung der Zeitzeugen.

Technische Voraussetzungen und Ablauf

1. Technik und Vorbereitung
Bitte teilen Sie uns mit, mit welchem technischen System Sie die Veranstaltung durchführen möchten. Wir können Ihr System nutzen oder selbst einen Link generieren. Für uns am besten geeignet ist Zoom. Wir haben einen Account, an dem 500 Menschen teilnehmen können. Wir haben Erfahrungen mit zoom, cisco-webex, jitsi, big blue button, Teams. Für neue Systeme sind wir offen. Die besten Erfahrungen haben wir bisher mit zoom gemacht. Einige Tage vor der Veranstaltung vereinbaren wir einen Termin für einen Technik-Check. Es können mehrere Klassen gleichzeitig an der Veranstaltung teilnehmen. Wir beraten Sie bei der technischen Umsetzung. Mit unserer Technik ist es möglich, dass sich das Publikum und die Referent*innen nicht nur sehen, sondern auch hören können. Das Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern ist unseren Zeitzeuginnen und Zeiteugen sehr wichtig.

2. Ablauf der Veranstaltung:
a) Input durch Birgit Mair
b) Bericht der Holocaust-Überlebenden
c) Fragen aus dem Publikum
d) Verabschiedung

Kosten:
Pauschalpreis: 500,00 Euro (inkl. Honorare für Zeitzeugen und Moderation, Beratung bei der Technik, Technikcheck, Entwickeln eines maßgeschneiderten Konzepts) Für Schulen können wir Sonderpreise anbieten. Veranstaltungen können auf Anfrage in Kooperation mit der Georg-von-Vollmar-Akademie durchgeführt werden (2 Euro pro Teilnehmer).

Kontakt

Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB) e.V.
Rennweg 60 90489 Nürnberg
Germany

Telefon: +49 (0) 911 / 54 055 934
Mobil: 0176 / 62 94 31 52
Ansprechpartnerin: Birgit Mair (Diplom-Sozialwirtin Univ.),

E-Mail: info(ät)isfbb.de

Lebensgeschichten der Zeitzeugen

Eva Franz: Sie überlebte als Kind das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau (Online-Veranstaltung, die Zeitzeugin ist im Bild zu sehen)


Eva mit ihren Eltern vor der Deportation nach Auschwitz-Birkenau (Foto: Privatarchiv Eva Franz)

Eva Franz wurde 1940 in Gablonz an der Neiße geboren. Als sie zweieinhalb Jahre alt war, wurde sie gemeinsam mit ihrer Familie in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort wurde ihr die Häftlingsnummer 4167 in den linken Unterarm eintätowiert. Frau Franz trägt die Nummer bis heute. Ihre Schwester kam in Auschwitz ums Leben. Gegen Kriegsende wurde Eva in das Frauen KZ Ravensbrück und in das KZ Bergen-Belsen deportiert. Die Mutter starb noch vor der Befreiung.

Ernst Grube, Überlebender des Ghettos Theresienstadt (Online-Veranstaltung im Zoom-Format, der Zeitzeuge ist im Bild zu sehen und das Publikum kann mit ihm sprechen)


Ernst Grube im Mai 2021 (Foto: Birgit Mair)

Ernst Grube wurde 1932 in München geboren. Seine Mutter war jüdisch, sein Vater evangelisch. Nach der Zerstörung der Münchner Hauptsynagoge im Juni 1938 wurden die unmittelbar angrenzenden Gebäude der israelitischen Kultusgemeinde in der Herzog-Max Straße "arisiert", d.h. geraubt. Die Grube-Familie wurde aus ihrer dortigen Mietwohnung vertrieben. In ihrer Not brachten die Eltern Ernst und seine beiden Geschwister zwei Tage vor dem Novemberpogrom 1938 in ein jüdisches Kinderheim. Fast alle der dort untergebrachten Kinder wurden später von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet. Ernst und seine beiden Geschwister mussten ab Frühjahr 1942 in das „Judenlager Milbertshofen", später in ein weiteres Lager in Berg am Laim bis April 1943. Drei Monate vor Kriegsende wurden die Grube-Kinder und ihre Mutter in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie bis zur Befreiung am 8. Mai 1945 inhaftiert waren. Bis heute kämpft der mittlerweile 88-Jährige, der sich früh in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes organisierte, gegen Rassismus, Antisemitismus und Neonazismus. Für sein Engagement wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Georg-Elser-Preis der Landeshauptstadt München. Ernst Grube ist Präsident der Lagergemeinschaft Dachau e.V. und Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Bayerische Gedenkstätten.

Horst Bernard


Horst Bernard in seiner Wohnung in Saarbrücken (Foto: Birgit Mair, April 2021)

Horst Bernard wurde 1932 in Bischmisheim bei Saarbrücken als Kind eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen Mutter geboren. Die Eltern waren im saarländischen Widerstand gegen die Nazis aktiv. Nachdem das Saarland 1935 nationalsozialistisch wurde, floh der Vater ins Exil nach Frankreich. Die Mutter wurde von den Nazis unter Druck gesetzt, ihren Ehemann zurückzuholen. Mit ihren zwei kleinen Kindern machte sie sich auf den Weg nach Luchon in den Pyrenäen, wo die französischen Behörden den Vater hingeschickt hatten. Nachdem der südliche Teil Frankreichs besetzt worden war, musste der Vater in die Illegalität untertauchen. 1944 wurde die Mutter von der Militärverwaltung verhört, die Gestapo durchsuchte ihre Wohnung. Nun musste auch sie mit den zwei kleinen Kindern untertauchen. Das 1940 auf französischem Boden geborene Brüderchen änderte den Rechtsstatus der Familie zu ihren Gunsten. Ab August 1935 lebte die Familie in Agen, so sie Hilfe von anderen erhalten hatte und anderen Geflüchteten half. Ihr ältester Sohn Horst wurde bei einem alten Ehepaar untergebracht, das mit Resistance sympathisiert hatte. Besonders belastend war für den Jungen, der in Agen ein Gymnasium besuchte, folgende Situation: Einmal in der Woche ging er zu einem bestimmten Zeitpunkt in Agen auf einem Boulevard auf und ab, um seinen Vater zu sehen. Sie gingen auf unterschiedlichen Straßenseiten und nickten sich zu. Sprechen konnten sie nicht miteinander. Im Alter von zwölf Jahren entging Horst knapp dem Tode. Er konnte fliehen, als die SS auf der Beerdigung eines bekannten Widerstandskämpfers der Resistance-Gruppe "Libération" auf dem Friedhof in Fengarolles um sich geschossen und zahlreiche Menschen verhaftet hatte. Horst Bernard lebt heute wieder im Saarland. Herr Bernard spricht deutsch und französisch und engagierte sich auch in der Nachkriegszeit gegen Alt- und Neonazis. Seit April 2021 beteiligt er sich an unserem Zeitzeugenprogramm. (Zuschaltung telefonisch oder falls organisierbar auch mit Bild über Zoom)

Esther Bejarano (Online-Zeitzeugengespräch mit Telefonzuschaltung möglich)


Esther Bejarano im September 2020 bei einer Lesung in Fürth (Foto: Birgit Mair)

Esther Bejarano wurde 1924 geboren und wuchs in Saarbrücken und Ulm auf, wo ihr Vater als Kantor arbeitete. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurde Esther aus der christlichen Volksschule ausgeschlossen und musste in eine jüdische Schule gehen. Esther musste mehrere Jahre Zwangsarbeit leisten, im KZ Ravensbrück musste sie Rüstungsgüter herstellen. In Auschwitz-Birkenau musste sie Steine schleppen. Sie überlebte, indem Sie sich als Musikerin für das Orchester meldete. Dort spielte sie Akkordeon. Zwei ihrer Geschwister flohen ins Ausland und überlebten. Ihre Schwester Ruth floh zunächst nach Holland, wurde gefasst und später in Auschwitz-Birkenau ermordet. Die Eltern wurden in Richtung Osten deportiert und ermordet. Frau Bejarano engagiert sich seit den 1970er Jahren gegen Alt- und Neonazis und steht seit mehr als zehn Jahren mit der Rapband "Microphone-Mafia" auf der Bühne.

Buch von Birgit Mair: Die letzten Zeugen - meine Arbeit mit Holocaust-Überlebenden an Schulen

Mit den Lebensgeschichten von Eva Franz, Klara Gorlatschowa, Siegfried Heilig und Fritz Pilz. Das Buch behandelt sowohl die Auswirkungen des Nationalsozialismus auf das Schicksal der jeweiligen Familien als auch Diskriminierungserfahrungen und den Umgang mit den Erlebnissen in der Nachkriegszeit.

Einzelpreis: 6 Euro zzgl. 2 Euro Porto; Sonderpreis für Schulklassen: 30 Exemplare kosten 150 Euro inkl. Porto)

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Die Zeitzeugenarbeit von Birgit Mair

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Bei der von Birgit Mair konzipierten Veranstaltung "Die letzten Zeugen berichten" im September 2019 im Gewerkschaftshaus Nürnberg berichteten vier Holocaust-Überlebende von ihren Verfolgungen. In der Mitte am Mikrophon ist Birgit Mair zu sehen. (Foto: Rüdiger Löster)

Birgit Mair analysierte in den Jahren 1998 bis 2000 in ihrer mit ausgezeichnet bewerteten Diplomarbeit das Überleben des jüdischen Oberschlesiers Josef Jakubowicz in nationalsozialistischen Konzentrationslagern sowie seine Identitätsentwicklung. Mit folgenden Holocaust-Überlebenden hat Birgit Mair Zeitzeugengespräche durchgeführt:

2005 bis 2013: Josef Jakubowicz, geb. 10. Oktober 1925 in Oswiecim, gest. 22. Mai 2013 in Neumarkt/Oberpfalz). Er wurde verfolgt, weil er Jude war. Er überlebte die KZ Groß-Rosen, Flossenbürg, Mittelbau-Dora und Bergen-Belsen
2006 bis 2012: Franz Rosenbach, geb. am 29. September 1927 in Horatitz (Niederösterreich), gest. am 7. Oktober 2012 in Nürnberg). Er wurde verfolgt, weil er Sinto war. Er überlebte das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau sowie die KZ Buchenwald, Mittelbau-Dora und einen Todesmarsch.
2009: Eva Rößner, geb. Jakob, geb. 25.12.1926 in Nürnberg, gest. am 17.1.2020
2010: Hans Rosenfeld, geb. 6. Mai 1926 in Schopfloch (Mittelfranken), gest. am 9. Januar 2015 in New York City. Er wurde verfolgt, weil er Jude war. Ihm gelang die Flucht nach nach Südamerika.
2010: Dr. Jakob Rosenthal, geb. am 11. Juni 1922 in Nürnberg, gest. im Februar 2012 in Jerusalem. Er wurde verfolgt, weil er Jude war. Ihm gelang die Flucht nach Palästina.
2011: Hugo Höllenreiner, geb. am 15. September 1933 in München, gest. am 10. Juni 2015 in Ingolstadt. Die Nazis verfolgten ihn, weil er Sinto war. Er überlebte das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und medizinische Experimente von Dr. Mengele.
2019 bis 2020: Fritz Pilz, geb. 1928 in Pethau bei Zittau (Sachsen), gest. am 9. September 2020 in Nürnberg. Die Nazis verfolgten ihn, weil er als "Halbjude" galt. Er überlebte das Zwangsarbeitslager Miltitz.
2012 bis 2020: Siegfried Heilig, geb. 1934 in Magdeburg, gestorben am 25. Januar 2021 in Nürnberg.
Die Nazis verfolgten ihn, weil er Sinto war. Er überlebte im Versteck.

Die letzten Zeugen (Stand: März 2021)

Seit 2013: Eva Franz, geb. 1940 in Gablonz an der Neiße. Die Nazis verfolgten sie, weil sie Sintezza war. Sie überlebte das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und die KZ Ravensbrück und Bergen-Belsen. (Zuschaltung mit Bild über Zoom)
seit 2020: Ernst Grube, geb. 1932 in München, er überlebte das Ghetto Theresienstadt. (Zuschaltung mit Bild über Zoom)
Seit 2020: Esther Bejarano, geb. 1924 in Saarlouis. Die Nazis verfolgten sie, weil sie Jüdin war. Sie überlebte das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, das KZ Ravensbrück und einen Todesmarsch. (Telefonische Zuschaltung)
Seit 2016: Henry Rotmensch, geb. am 10. April 1925 in Bendsburg. Die Nazis verfolgten ihn, weil er Jude war. Er überlebte die KZ Buchenwald und Spaichingen. (Telefonische Zuschaltung)
Ab April 2021: Eva Weyl war als jüdisches Kind mit ihren Eltern im KZ-Durchgangslager "Westerbork" in den von Deutschen besetzten Niederlanden gefangen. Sie spricht deutsch und holländisch und lebt in den Niederlanden. (Zuschaltung mit Bild über Zoom)
Ab April 2021: Horst Bernard wurde 1932 in Saarbrücken als Kind eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen Mutter geboren. (Weitere Informationen folgen bis Mitte April)

Zeitzeuginnen aus der ehemaligen Sowjetunion (mit russischer Übersetzung)

Seit 2019: Vera Yessakova, geb. 1937 in Dnepropetrowsk, Sowjetunion. Die Nazis verfolgten sie, weil sie Jüdin war. Ihr gelang die Flucht hinter die feindlichen Linien.
Seit 2020: Asya Levit, geb. 1936 in Slavuta, Ukraine. Die Nazis verfolgten sie, weil sie jüdisch war. Sie überlebte eine Massenerschießung.
Seit 2018: Klara Gorlatschowa, geb. 1938 in Trostjanez in der Sowjetunion, heute Ukraine. Die Nazis verfolgten sie, weil sie Jüdin war. Sie überlebte das KZ Petschora.
 
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