Institut für sozialwissenschaftliche
Forschung, Bildung und Beratung e.V. (ISFBB)
 
 
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Nachruf auf Esther Bejarano

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Esther Bejarano im September 2020
bei einer Lesung in Fürth
(Foto: Birgit Mair)

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Esther Bejarano im Alter von 14 Jahren
(Foto: Privatbesitz Esther Bejarano,
Reproduktion ISFBB e.V:)
Nachruf auf Esther Bejarano Esther Bejarano starb am Morgen des 10. Juli 2021 im Alter von 96 Jahren im Israelitischen Krankenhaus Hamburg. Die Nachricht, dass sie schmerzfrei eingeschlafen ist, tröstet, denn Esther hat in ihrem Leben viele Schmerzen erleiden müssen, die ihr die menschenfeindlichen Nazis zugefügt haben. Doch sie trotzte dem Versuch, sie zu vernichten: Sie überlebte das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, das KZ Ravensbrück und einen Todesmarsch. Esther Bejarano, geborene Loewy, wuchs in Saarbrücken, Ulm und Neu-Ulm auf. Wie viele andere Überlebende des Holocaust musste auch Esther nach der Befreiung 1945 ihr Leben ohne die von den Nationalsozialisten ermordeten Eltern bewerkstelligen. Sie wanderte nach Israel aus, heiratete, bekam zwei Kinder. Zurück in Deutschland, engagierte sie sich seit den 1970er Jahren gegen Alt- und Neonazis. In den letzten zehn Jahren ihres Lebens stand sie unter anderem mit ihrem Sohn Joram und den Rappern von "Microphone Mafia" auf der Bühne. Unermüdlich berichtete sie in Schulen und bei öffentlichen Veranstaltungen von den Gräueln der Nazizeit. "Ihr müsst wissen, was passiert ist, damit so etwas nie wieder geschieht", sagte sie bei einem unserer Online-Zeitzeugengespräche, an denen hunderte Schüler/innen und Erwachsene teilnahmen und bei denen Esther via Telefon zugeschaltet war. Mit Esther Bejarano geht eine moralische Institution von uns - eine Frau mit Charisma, eine Frau, die nie akzeptieren wollte, dass Naziaufmärsche bis heute stattfinden dürfen. Ich habe Esther in den vergangenen Monaten durch viele längere Telefongesprächen besser kennenlernen dürfen. Sie war eine äußerst liebenswerte, ehrliche und direkte Frau. Esther Bejarano hat uns erlaubt, ihren "Zwischenruf" aus der Tagesschau in einem Buch abzudrucken und hat uns private Fotos für die Zeitzeugenarbeit zur Verfügung gestellt. Die Filmaufnahmen und O-Töne, die wir bei den Veranstaltungen mitgeschnitten haben, werden wir im Laufe des Jahres auf der Homepage www.die-letzten-zeugen.de veröffentlichen.

Birgit Mair & ISFBB e.V., Nürnberg am 10. Juli 2021
 
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