Institut für sozialwissenschaftliche
Forschung, Bildung und Beratung e.V. (ISFBB)
 
 
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Zeitzeugenarbeit in Zeiten von Corona: Buchlektüre, Web-Vortrag & anschließende Telefonkonferenz mit Holocaust-Überlebenden (Dauer: 90 bis 120 Minuten)

Wegen der Corona-Virus-Pandemie ist es derzeit unmöglich, Zeitzeugengespräche mit Holocaust-Überlebenden durchzuführen. Dies gilt insbesondere deshalb, weil die Überlebenden alle über 80 Jahre alt sind und damit zur Risikogruppe gehören. In den Jahren 2005 bis zum 6. März 2020 hat Birgit Mair mehr als dreihundert Zeitzeugengespräche mit zehn verschiedenen Holocaust-Überlebenden durchgeführt. Wir werden die Face-to-Face Arbeit mit Zeitzeug*innen vor ort an den Schulen fortsetzen, sobald gesundheitliche Bedenken für die Überlebenden überschaubar sind.

Während der Corona-Krise bieten wir folgendes Bildungsmodul an:

Modul 3: Buchlektüre, Web-Vortrag & Telefonat mit Holocaust-Überlebenden

Preis: 300 Euro (inkl. Honorare, Technik sowie ein Exemplar des Buches "Die letzten Zeugen")

1. Inhaltliche Vorbereitung: Wir schicken Ihnen per Post die Publikation "Die letzten Zeugen" zu. (Klassensatz 30 Exemplare = 150 Euro inkl. Porto)

="" Das 96-seitige, reich bebilderte Buch ist 2019 erschienen und behandelt u.a. die Biographien der Holocaust-Überlebenden Eva Franz, Klara Gorlatschowa, Siegfried Heilig und Fritz Pilz.

2. Web-Vortrag: Birgit Mair hält anhand der Schicksale einen bilderreichen Web-Vortrag über die nationalsozialistischen Verbrechen an Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma und geht hierbei insbesondere auf das Schicksal des/der Holocaust-Überlebenden ein, mit dem/der im Anschluss telefoniert wird. Es werden auch O-Töne und - sofern vorhanden - Filmausschnitte vergangener Zeitzeugengespräche präsentiert.

3. Telefonat mit einem Holocaust-Überlebenden: Telefonat: Per Telefon wird ein Holocaust-Überlebender bzw. eine Holocaust-Überlebende live zugeschaltet. An diese(n) dürfen dann Fragen gestellt werden.

4. Verabschiedung: Verabschiedung durch die Teilnehmenden. Es können Briefe geschrieben und auch ggfs. über das ISFBB auch kleine Geschenke an die Holocaust-Überlebenden vermittelt werden.

Biographische Informationen über die Holocaust-Überlebenden sowie über die Expertise der Projektleiterin

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Derzeit leider in dieser Form nicht möglich: Face-to-Face Zeitzeugengespräch mit Siegfried Heilig und Birgit Mair (Foto: Daniela Meyer Fotografie)

Mit Eva Franz, Klara Gorlatschowa, Siegfried Heilig und Fritz Pilz können in Bayern noch Holocaust-Überlebende von ihren Erfahrungen durch die nationalsozialistischen Verfolgungen berichten. Diplom-Sozialwirtin (Univ.) Birgit Mair begleitet seit 2005 Holocaust-Überlebende an Schulen und hat hunderte Zeitzeugengespräche durchgeführt. Sie führt durch die die Veranstaltung, bettet die Erzählungen der Zeitzeugen in den historischen Kontext ein und präsentiert Bilder und Dokumente aus deren Leben. Im Anschluss an die Veranstaltung kümmert sie sich um die Betreuung der Holocaust-Überlebenden.

Eva Franz: Als Kind war sie Nummer 4167 im "Zigeunerlager" Auschwitz-Birkenau


Eva mit ihrer Mutter kurz vor der Deportation nach Auschwitz-Birkenau (Foto: Privatarchiv Eva Franz)

Eva Franz wurde 1940 in Gablonz an der Neiße geboren. Als sie zweieinhalb Jahre alt war, wurde sie gemeinsam mit ihrer Familie in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort wurde ihr die Häftlingsnummer 4167 in den linken Unterarm eintätowiert. Frau Franz trägt die Nummer bis heute. Ihre Schwester kam in Auschwitz ums Leben. Gegen Kriegsende wurde Eva in das Frauen KZ Ravensbrück und in das KZ Bergen-Belsen deportiert. Die Mutter starb noch vor der Befreiung.

Klara Gorlatschowa: Sie überlebte als jüdisches Kind den Holocaust in der Sowjetunion

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Klara kurz vor dem Angriff der Deutschen auf die Sowjetunion(Foto: Privatarchiv Klara Gorlatschowa)

Klara Gorlatschowa (geb. Schwarz), wurde 1938 als Kind einer jüdischen Familie in Trostjanez in der Sowjetunion geboren. Nach dem Einmarsch der Deutschen Wehrmacht wurde sie mit ihren Eltern in ein Todeslager in Petschora (heute Pechera, Winnyzja, Ukraine) deportiert. Als Kind wurde sie für medizinische Experimente missbraucht. Der Vater wurde bei dem Versuch, Nahrungsmittel zu organisieren, vor den Augen der Mutter ermordet. Ihre Großmutter starb ebenfalls in dem Lager, das "Todesschlinge" genannt wurde. Mutter und Tochter gelang die Flucht über den zwei Meter hohen Zaun in die Wälder. Bis zur Befreiung durch die Rote Armee 1944 waren sie im Ghetto-Dorf Werchowka interniert. Frau Gorlataschowa lebt seit 1997 als "Kontingentflüchtling" in Mittelfranken. Die Erzählungen der Zeitzeugin werden von einer Dolmetscherin übersetzt.

Siegfried Heilig: Er überlebte als Jugendlicher im Versteck

=""Die Schaustellerfamilie Heilig kurz vor Kriegsbeginn, links im Bild Siegfried Heilig (Foto: Privatarchiv Siegfried Heilig)

Siegfried Heilig (geb. 1934) wuchs in Magdeburg auf. Am 1. März 1943 sollten alle Sinti und Roma aus Magdeburg in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert werden. Dank der Courage der Großmutter entging die Familie nur knapp der Gestapo. Es gelang der Familie Heilig bis zur Befreiung unbemerkt an verschiedenen Orten Brandenburgs zu überleben. Vater, Mutter, Siegfried und seine beiden Brüder konnten mit Hilfe anderer ihre Identität verbergen und blieben unbemerkt. Die mutige Oma wurde im September 1943 in Auschwitz-Birkenau ermordet. Auch Michael Heilig, der Onkel des Zeitzeugen, kam in Auschwitz um.

Fritz Pilz: Er wurde verfolgt, weil er als "Halbjude" galt

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Fritz Pilz bei der Einschulung 1935 (Foto: Privatarchiv Fritz Pilz)

Fritz Pilz, geboren 1928 in Pethau bei Zittau (Sachsen), galt nach den rassistischen "Nürnberger Gesetzen" als „Halbjude“ und musste Zwangsarbeit im Gestapo-Straflager Miltitz verrichten. Seine jüdische Mutter wurde im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet.

Unsere bisherige Zeitzeugenarbeit

Birgit Mair analysierte in den Jahren 1998 bis 2000 in ihrer mit 1,0 bewerteten Diplomarbeit das Überleben des jüdischen Oberschlesiers Josef Jakubowicz in nationalsozialistischen Konzentrationslagern sowie seine Identitätsentwicklung. Mit folgenden Holocaust-Überlebenden hat Birgit Mair Zeitzeugengespräche durchgeführt:

2005 bis 2013: Josef Jakubowicz, geb. 10. Oktober 1925 in Oswiecim, gest. 22. Mai 2013 in Neumarkt/Oberpfalz)
2006 bis 2012: Franz Rosenach, geb. am 29. September 1927 in Horatitz (Niederösterreich9, gest. am 7. Oktober 2012 in Nürnberg)
2009: Eva Rößner, geb. Jakob, geb. 25.12.1926 in Nürnberg, gest. am 17.1.2020
2010: Hans Rosenfeld, geb. 6. Mai 1926 in Schopfloch (Mittelfranken), gest. am 9. Januar 2015 in New York City
2010: Dr. Jakob Rosenthal, geb. am 11. Juni 1922 in Nürnberg, gest. im Februar 2012 in Jerusalem
2011: Hugo Höllenreiner, geb. am 15. September 1933 in München, gest. am 10. Juni 2015 in Ingolstadt
2012 bis heute: Siegfried Heilig, geb. 1934 in Magdeburg
2013 bis heute: Eva Franz, geb. 1940 in Gablonz an der Neiße
2016: Henry Rotmensch, geb. am 10. April 1925 in Bendsburg (Oberschlesien)
2018 bis heute: Klara Gorlatschowa, geb. 1938 in Trostjanez in der Sowjetunion, heute Ukraine
2019 bis heute: Fritz Pilz, geb. 1928 in Pethau bei Zittau (Sachsen)
2019 bis heute: Vera Yessakova, geb. 1937 in Dnepropetrowsk, Sowjetunion
 
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