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Titel des Dokuments: Refugees welcome?! Gespräch mit einem Flüchtling
 

Modul 2: Refugees welcome!? - Vortrag und Gespräch mit einem Flüchtling (Vortrag, moderiertes Gespräch)

Im ersten Teil berichtet ein Flüchtling aus seinem Leben. Birgit Mair moderiert die Veranstaltung und übersetzt nach Bedarf aus dem Englischen. Nachdem alle Fragen aus dem Publikum beantwortet wurden, gibt Birgit Mair anhand einer bilderreichen Powerpoint-Präsentation einen Überblick über den Themenbereich Flucht und Asyl. Zeitdauer: 90 Minuten
Preis Vortrag und biographisches Gespräch mit einem Flüchtling: 300-500 Euro (je nach Entfernung von Nürnberg) zzgl. Fahrtkosten.

Kurzbiographien der Geflüchteten


="" Frau Haile ist in Äthiopien aufgewachsen. Als Teenager wurde sie und ein Teil ihrer Familie in das Nachbarland Eritrea abgeschoben. Ein Jahr später zog sie nach Saudi-Arabien, wo sie vier Jahre lang als Lehrerin arbeitete. Zurück in Eritrea wurde sie zum Militärdienst zwangsrekrutiert, obwohl sie bereits Mutter eines kleinen Kindes war. Nach ihrer Weigerung, auf unabsehbare Zeit dem Militär zu dienen, sperrte man sie ins Gefängnis. Durch Bestechung des Gefängnispersonals konnte sie nach zwei Monaten entkommen, musste aber ins Ausland fliehen. Ende 2004 gelangte sie nach Deutschland. Als ihr Sohn sechs Jahre alt war, konnte er mit viel Glück nachkommen. Frau Haile ist nicht als Asylberechtigte anerkannt und engagiert sich als Menschenrechtsaktivistin bei "Reporter ohne Grenzen". Die Veranstaltung wurde von der Amadeu-Antonio-Stiftung cofinanziert.
Link zu einem Zeitungsbericht über einen Vortrag von Frau Haile am Berufsschulzentrum Neumarkt



="" Siba ist 35 Jahre alt und kommt aus Äthiopien, wo er Orthopädietechnik studierte und seinem Vater in der Apotheke half. Er gehört der Minderheit der Oromo an, die in Äthiopien verfolgt wird. Weil er sich bei der Parlamentswahl im Jahr 2005 als Wahlbeobachter engagierte, wurde er verhaftet und gefoltert. Nachdem ihn seine Familie aus dem Gefängnis frei kaufte, musste er fliehen. Über den Sudan, die Sahara und Libyen gelang ihm die gefährliche Überfahrt auf einem kleinen Boot über das Mittelmeer nach Italien. Seit Juni 2014 lebt er in Mittelfranken, wo er derzeit einen Deutschkurs besucht. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

="" Wissam Abou Hassoun wurde 1985 in Syrien geboren, wo er der drusischen Minderheit angehörte. Aufgewachsen in der Nähe von Damaskus absolvierte der dortigen Universität den Master für Banken- und Finanzwesen. Mehrere Jahre arbeitete er bei einer Bank. Wegen des Bürgerkrieges entschloss sich der zweifache Familienvater 2015 zur Flucht. Über die Türkei gelang ihm die gefährliche Überfahrt auf einem kleinen Boot nach Griechenland. Über Mazedonien und Serbien schaffte er es nach Ungarn, wo er mehrere Tage in ein Gefängnis gesperrt wurde. Seit Sommer 2015 lebt er in Mittelfranken.

="" Kinan Morad stammt aus Syrien. Dort hatte er eine gut bezahlte Arbeit als Grafik-Designer in einer Werbeagentur. Der Bürgerkrieg und der Terror des IS bestimmten immer mehr das Leben des jungen Menschen. Nachdem er im September 2014 er einen Einberufungsbefehl in die Armee erhielt, entschloss er sich zur Flucht. Mit Hilfe von Schleppern gelang es ihm über den Libanon und Algerien nach Libyen zu kommen. Auf einem Schlauchboot kam er über das Mittelmeer nach Sizilien, wo die italienischen Behörden ihn zur Abgabe seiner Fingerabdrücke zwangen. Sein Ziel war Deutschland, weil dort sein Cousin lebte. Weil das Dublin II-Abkommen für Syrer im Sommer 2015 ausgesetzt wurde, kann er in Deutschland bleiben. Seine Aufenthaltserlaubnis wurde auf drei Jahre befristet. Derzeit besucht der 29-Jährige einen Deutschkurs in Mittelfranken.

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Naqib Hakimi floh 2010 im Alter von siebzehn Jahren aus Afghanistan, weil islamistische Taliban-Milizen ihn dort zu kriegerischen Handlungen zwingen wollten. Zuvor hatte er mit seiner Familie bereits einige Jahre als Flüchtling im Iran gelebt. Mit Hilfe von Schleppern gelang ihm die Flucht über die Berge in die Türkei. Von dort aus ging es mit einem kleinen Boot nach Griechenland. Dass die Schlepper ihn mit dem Flugzeug nach Deutschland schicken, wusste er vorher nicht. Fast fünf Jahre lang lebte der Jugendliche in Gemeinschaftsunterkünften in Mittelfranken. Im Moment hat er einen befristeten Arbeitsvertrag und ist noch nicht als Flüchtling anerkannt. Er hofft, in Deutschland bleiben zu dürfen.
Pressebericht vom 24.11.2015, Bayerischer Rundfunk (BR 2)
Erzähl uns deine Geschichte - Radiobeitrag über die Veranstaltung "Refugees welcome?!" in der Max-Grundig-Fachoberschule Fürth mit Naqib Hakimi und Birgit Mair


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Shewaye Girmay Tesfay ist 37 Jahre alt und kommt aus Äthiopien, wo er als Dozent an der Universität beschäftigt war. 2010 kam er nach Deutschland, wo er Public Policy an der Universität Erfurt studierte. Als er 2013 nach Äthiopien zurück kehrte, erfuhr er von dem Plan der dortigen Regierung, in zwei Regionen tausende Häuser abzureißen, die zwanzig Jahre zuvor „illegal“ gebaut worden seien. Dass den zumeist mittellosen Menschen kein neuer Wohnraum zur Verfügung gestellt wurde, verstieß nach Ansicht des juristisch versierten Wissenschaftlers gegen internationale Vereinbarungen, die der äthiopische Staat unterzeichnet hatte. Er begann, den Widerstand gegen die Abrisspläne zu organisieren, verfasste u.a. Petitionen an Regierungsstellen. Da er internationale Medien wie die Voice of America sowie den TV-Sender ESAT über die brutalen Ereignisse in seinem Land informierte, wurde er von der semidiktatorischen Regierung zum Terroristen erklärt. Anfang Mai 2013 wurde er von Polizeibeamten gekidnappt und an einen geheimen Ort gebracht. Dort hielt man ihn knapp drei Wochen lang gefangen, folterte und bedrohte ihn. Man entließ ihn mit der Warnung, er solle den Widerstand gegen die Abrisspläne aufgeben. Als er einige Wochen später durch Zufall erfuhr, dass Mitkämpfer ihn unter Folter als einen Hauptorganisator des Widerstands bezeichnet hatten, musste er fliehen. Ihm gelang die Flucht nach Deutschland, wo er seither lebt und auf seine Anerkennung als politisch Verfolgter wartet.

="" Elia wurde 1974 geboren und lebte in Syrien und im Libanon. Im Alter von 32 Jahren verlor er seinen drei Monate alten Sohn und seine Frau. Sie wurden im Jahr 2006 im Libanon-Krieg durch eine Bombe getötet. 2009 zog er in die syrische Hauptstadt Damaskus, wo er als IT-Spezialist ein Internetcafé mit Reparaturservice betrieb und sich eine Existenz aufbauen konnte. 2015 entschloss er sich wegen des syrischen Bürgerkiegs zur Flucht. Auf Booten, „wie in einer Fischdose“ (O-Ton-Elias) in LKWs zusammen gepfercht mit anderen Flüchtlingen und zu Fuß gelangte er über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich er im Sommer 2015 nach Bayern. Er lebt in Mittelfranken und besucht dort einen Sprach- und Integrationskurs.
="" Eric Bwire war seit 2002 als Journalist in Uganda tätig. Er engagierte sich für die Rechte von sexuellen Minderheiten. Im Laufe der Zeit verschärften sich die Maßnahmen gegen Schwule und Lesben in seiner Heimat immer mehr. Homosexuelle konnten zu lebenslanger Haft verurteilt werden. Menschen, die Homosexuelle nicht an die Polizei verrieten, mussten mit sieben Jahren Haft rechnen. Eric wurde ins Gefängnis gesperrt, weil er sich für Homosexuelle engagierte. Mit Hilfe eines Freundes gelang ihm die Flucht aus dem Gefängnis. Im Januar 2009 kam er nach Deutschland. Er bekam eine Stelle als Journalist in Belgien, musste dann aber wegen des Dublin II-Abkommens nach Deutschland zurückreisen, wo er seither lebt. Er ist als Asylberechtigter anerkannt. 2011 konnten seine Ehefrau und seine zwei Kinder ihm nach Deutschland folgen.

Elli stammt aus dem Iran. Dort absolvierte sie eine Ausbildung als Krankenschwester und verdiente gut in ihrem Beruf. Im Alter von 21 Jahren wurde sie von ihrem Vater zwangsverheiratet. Ihr Ehemann, ein Angehöriger der mächtigen und regimetreuen islamistischen Revolutionswächter („Pasdaran“) misshandelte sie und drohte ihr mit dem Tod. Nach eineinhalb Jahren Martyrium gelang ihr die Flucht aus dem Haus ihres Mannes und später nach Deutschland, wo sie seither lebt. Derzeit muss die 26-Jährige Schülerin unter schwierigen Bedingungen in einer Sammelunterkunft für Flüchtlinge leben. Eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis hat sie noch nicht.

Dereje Hailemichael stammt aus Äthiopien. Er gehört der Minderheit der Oromo an, die dort verfolgt werden. Der Informatik-Student hatte gemeinsam mit anderen an der Universität Flugblätter in der Sprache der Oromo aufgehängt. Seine Freundin wurde ins deswegen ins Gefängnis gesteckt. Er floh vom Sudan aus nach Libyen. Immer wieder musste er Geld an die Schlepper bezahlen, die ihn teilweise einsperrten, schlugen und erpressten. Zwei Wochen ging er durch die Wüste Sahara, wo er nur knapp überlebte. Im Februar 2014 wurde er durch „Mare Nostrum“ aus einem Boot im Mittelmeer gerettet und nach Italien gebracht. Von Sizilien aus wollte er nach England, schaffte es aber nur bis Frankfurt am Main. Er lebt heute im Raum Nürnberg und ist noch nicht als Asylberechtigter anerkannt. ="" Waqar Haider ist 26 Jahre alt und stammt aus Pakistan, wo er bis 2010 als Grundschullehrer arbeitete. Nachdem es immer wieder zu Terroranschlägen auf Einrichtungen der schiitischen Minderheit, der er angehörte, kam, nahm seine Angst zu, dass die dortigen radikalen Salafisten auch ihn töten würden. Im Jahr 2011 floh er deshalb aus Pakistan und gelangte über den Iran, die Türkei und Griechenland nach Ungarn. In Ungarn wurde er als illegaler Flüchtling aufgegriffen und ein halbes Jahr lang ins Gefängnis gesperrt. Nach der Entlassung wollte er nach Schweden weiterreisen, wurde in Deutschland festgehalten und sollte nach dem Dublin-Abkommen nach Ungarn zurück geschickt werden. Nach Ungarn zurück wollte er wegen des Gefängnisaufenthaltes auf keinen Fall. Eine couragierte Kirchengemeinde in Nürnberg gewährte ihm einige Monate lang Kirchenasyl. Er ist noch nicht als Flüchtling anerkannt.

Pressebericht der Veranstaltung "Refugees welcome?!" mit Waqar Haider und Birgit Mair in Sulzbach-Rosenberg



Preis Vortrag und biographisches Gespräch mit einem Flüchtling: 300-500 Euro (je nach Entfernung von Nürnberg) zzgl. Fahrtkosten. Das Projekt wurde 2016 gefördert durch:
  • Bürgerbewegung für Menschenwürde in Mittelfranken
  • Amadeu-Antonio-Stiftung